Apple Cinema Display – Nostalgie pur

Vor ein paar Tagen fiel mir in einer unscheinbaren Ecke ein kleines Schätzchen auf: Ein 24″ Apple Cinema Display. Für die Nostalgiker: Der Vorläufer des Thunderbolt Displays, mit einer Full-HD-Auflösung, Webcam, Lautsprecher & 3x USB 2.0. 

Natürlich sind die technischen Daten aus heutiger Sicht keinesfalls beeindruckend, aber einfach in der Ecke stehen lassen… Nein, da muss etwas getan werden.

Nach kurzer Recherche stand fest: Das gute Stück ist als „Schrott“ abgeschrieben, weil es kein Bild mehr liefert, & bis jetzt hätte noch niemand dieses Problem lösen können (wollen). So so.

Mittels eines LMP-Adapters habe ich den USB- & den MiniDisplayPort-Anschluss mit meinem MacBook Air verbunden, & siehe da: Kein Bild. Webcam, Lautsprecher & USB funktionierten dennoch. Es wurde sogar vom MacBook erkannt als „Apple Cinema Display“.

Eine weitere Untersuchung in sehr dunklem Umgebungslicht mit einer sehr hellen Taschenlampe ergab:

Es wird sehr wohl ein Bild dargestellt, aber die Hintergrundbeleuchtung scheint aus Gründen nicht zu funktionieren.

Somit kommen wir zum spannenden Teil. Lt. meiner Webrecherche tritt dieses Fehlerbild häufiger nach mehrjährigem Gebrauch dieser Displaytypen auf. Die Ursache liegt in nicht mehr 100%ig funktionierenden LEDs, welche das Display von hinten beleuchten.

Um sich das technisch vorzustellen: Das Display wird angeschlossen & meldet an die interne Logik: „Aufwachen, es gibt Arbeit! Display, stell das Bild her! LED’s, leuchten damit man etwas sieht! USB, startklar machen!“ etc. p.p. Nach diesem Signal prüft der PWM-Controller*, ob die LED’s funktionsbereit sind. Melden ein paar LED’s zurück, dass es Ihnen dank Alterschwäche nicht mehr so gut geht, stellt der Controller sich trotzig & verweigert den Befehl, Strom an die LED’s weiterzugeben (um weiteren Schaden zu vermeiden).

*(Exkurs: PWM-Controller. PWM (PulsWeitenModulation) findet sich neben „dimmbaren“ LED’s auch in Lüftern wieder. Die LED’s werden nicht wirklich gedimmt, Sie bekommen nur StromAN & StromAUS in so kurzen Abständen, dass die menschlichen Augen nur den Zwischenwert wenig Licht registrieren. Wenn Ihr euer Display also gedimmt benutzt, ist dies keineswegs nur auf 50% Helligkeit, sondern superschnell AN-AUS-AN-AUS.)

Nun gut, für diese Problematik gibt es wie immer 2 Lösungsansätze. 

Entweder kümmern wir uns um die Ursache, oder wir beheben das Symptom.

– Die Ursache ist eine fehlerhafte LED-Leiste. Diese muss ersetzt werden, wozu ich eine LED-Leiste für ca. 60€ aus Fernost bestellen & das verbaute Display im Display komplett auseinandernehmen müsste.

– Das Symptom ist deutlich einfacher zu beheben: Wenn der Controller nicht will, fragen wir ihn halt nichtmehr & geben den LED’s Dauerstrom. 

Die Reise beginnt mit dem Auseinanderbauen des Cinema-Displays. Besonders fummelig sind (wie bei den iMac’s) die Kabelverbindungen von den Platinen zum Display, welche man gerne bei Abnahme des Bildschirmes übersieht.

Kurz die Platine ausgebaut & man sieht direkt, mit welchen Größenordnungen wir es zu tun bekommen:

Um den Controller zu umgehen, müssen 3 Kleinst-Bauteile ausgelötet & ein Klingeldraht angelötet werden.

Auslöten
Kabel anlöten

Hilfreich ist hier eine sehr ruhige Hand sowie ein sehr dünner Lötkolben

Nach einem kurzem Funktionstest noch eine abschliessende Reinigung sowie die Anbringung der Glasscheibe unter Druckluft, um störenden Staubteilchen im Display vorzubeugen.

Zusammensetzen

& – Voila! Nun steht ein wunderschönes, in Würde gealtertes 24″ Apple Cinema Display auf meinem Home-Office-Schreibtisch. Natürlich ist dies nur eine vorübergehende Reparatur, durch den Dauerstrom wird die Lebensdauer der LED’s noch weiter reduziert. Dennoch konnte ich diesem Schätzchen mit relativ wenig Aufwand ein neues Leben schenken & freue mich über die kurze Basteleinlage.

Selbst nach 11 Jahren ist die Farbtreue wunderbar